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Es ist mühselig. Denn es ist immer das Gleiche. Täglich grüßt das Murmeltier. Wenn mensch nicht ohnehin komplett resigniert, ist es immer die gleiche Mixtur aus Frustration, Wut und Trauer. In Israel passiert etwas Schlimmes. Etwas Schlimmes, das sich vorsätzlich gegen die Existenz des jüdischen Staates richtet oder vorsätzlich zum Ziel hat Juden, weil sie Juden sind, zu töten oder Juden tötet, weil sie Juden sind. Und kaum jemand, außer die immer gleichen Israel-Allies, zeigt Interesse, Mitgefühl oder Empörung. Oder wenigstens irgendeine Reaktion, aber Schweigen ist bekanntlich auch eine Antwort.

Für ein gutes Stück dieser Ignoranz tragen natürlich die Medien Verantwortung, welche wie fast schon automatisiert die Ereignisse entweder ignorieren, relativieren, verzerren, ihnen eine Randnotiz gönnen oder sie benutzen um Täter-Opfer-Umkehr zu betreiben. In Israel wurden vergangene Woche verheerende Brände im ganzen Land gelegt, wahrscheinlich terroristisch motiviert und zu den aktuellen Ereignissen findet man nur mit Müh und gezielter Suche Berichte. Mittwoch und Donnerstag fanden sich, zugegeben, noch ein paar Reporte mehr, dennoch nicht sonderlich aufgeregt. Facebook gänzlich unaufgeregt, still. „Wenn die Häuser von 75.000 Menschen in Brand gesetzt werden, in einem befreundeten Land, und es ist nicht Nr. 1 in den Nachrichten, verstehe ich das nicht“ meinte eine Freundin dazu. Freitags auf dem „Standard“ in der Rubrik „Panorama“ ein Bericht. Panorama. Immerhin ist fast das ganze Land Israel davon betroffen und das Feuer ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mindestens zur Hälfte vorsätzlich gelegt worden und als Terrorakt. Heute, Dienstag, scheint man bereits mit Sicherheit zu wissen, dass es politisch motivierte Brandstiftung war. Und das ist doch eine wirklich neue, dramatische Dimension und Qualität des Terrors, gegen Israel, aber auch allgemein. Auch wenn es sich „Der Standard“, typisch für ihn, nicht nehmen lässt zu betonen, dass dies fraglich, ein unfairer Vorwurf ist und von der PLO zurück gewiesen wurde, während es real und vom bisherigen Ermittlungsstand her schon Freitag eine relativ klare Sache war. Im Verhältnis zu dieser Dramatik, finden diese Umstände nur sehr geringe Aufmerksamkeit.

Und wo es nicht ignoriert wird, wird es gefeiert. Teile der palästinenischen Bevölkerung bejubelnbereits das brennende Israel. Auch auf Twitter unter dem Hashtag #Israel oder #IsraelBurning findet man erschreckend viel Freude über das Feuer und dem Umstand, dass Israel davon verwüstet wird. So schreibt „warui“ beispielsweise: „Thank god for this fire“. There has never been a country more deserving“ oder „Laura“: „Why did u hate Nazis? cause they tortured you. That´s exactly what ur doing to Palestines. Therefore, we´re not sad about #IsraelBurning“ oder „HYA.ALMOHANADI“: „This is just a ‚tiny‘ thing from what they deserve“. Ein anderer Poster meint sogar, dass es die schönsten Nachrichten heute morgen für ihn waren, dass Israel brennt: „The most beautiful news i heard in this morning“.

Die Welt hat zu lange das Narrativ eingetrichtert bekommen, Israel dürfe gar nicht existieren. Wenn Israel gar nicht existieren darf, macht es doch auch gleich mal viel weniger, wenn probiert wird es inexistent zu machen. Die Welt hat zu lange das Narrativ eingetrichtert bekommen, dass Israel irgendetwas anderes täte, als zu sein und sich zu verteidigen wenn es angegriffen wird. Zu lange wurde das Narrativ erzählt, dass Israels Regierungen, Militärs oder seine Bevölkerung auf auch nur irgendeine andere Weise rassistisch oder antirassistisch sind, als alle anderen Staaten und Menschen dieser Welt. Wenn Israel den Gazastreifen gegenangreift wird jeder davon betroffene Mensch penibel abgezählt, um die Opferzahlen so prominent wie möglich zu verbreiten, als würden nicht in jedem anderen Krieg auf dieser Welt ebenso verhältnismäßig viele Leute leider Opfer werden. Um die Meinung über den besonderen Bösewicht Israel anzufeuern. Hingegen weiß die Weltbevölkerung durch die Medien fast nichts über die intensiven und regelmäßigen Terrorwellen gegen Israel´s jüdische Bevölkerung, sie weiß auch nichts über die finanziellen Unterstützungen durch die palästinensische Regierung (und auch durch Europa) von Terrorist*innen, die erfolgreich Anschläge verüben. Die Welt glaubt daran, dass es eine Art Gleichgewicht gibt zwischen den Ungerechtigkeiten, die im Nahen Osten passieren und sich Israelis und Palästinenser*innen nichts schuldig bleiben. Würden die Verbrechen der palästinensischen Regierungen und Terrorist*innen gegen Europa passieren, würde nicht auch nur einen Moment in Frage stehen, ob es denn nicht „gute Gründe“ für diesen Terror gibt.

Es ist nicht absehbar, dass dieses Narrativ und diese Einbildungen sich irgendwann in einer langfristigen Zukunft richtig stellen oder zumindest aufhören werden. Deswegen werde ich noch sehr oft diese ganz spezifische Betroffenheit, diesen spezifischen Schmerz fühlen, wenn mich die schweigenden Gesichter zum Unrecht gegen Israel und Juden und Jüdinnen anschauen. Ich weiß bis heute nicht genau, was dieses Schweigen bedeutet, ich kann es nur vermuten. Jedenfalls bedeutet es aber die Abwesenheit einer entweder empathischen, wütenden, solidarischen oder wenigstens kleinen anteilnehmenden Reaktion. Und das tut weh.

paulaשspock