Luthers Antisemitismus wiederbelebt

Luthers Antisemitismus wiederbelebt

von Petra Heldt

Englischer Originaltext: Luther’s Anti-Semitism Back to Life
Übersetzung: H. Eiteneier

Auf der lutherischen Synode in New Orleans gab es einen Beschluss alle US-Hilfe für Israel zu beenden und einen um Investitionen in Israel beenden. Beide Beschlüsse hatten de facto die Absicht den Staat Israel zu vernichten. Das antiisraelische Wesen der Beschlüsse passt in die alte Schule lutherischer antisemitischer Hetzreden.

Die ECLA-Gruppe Jesaja 52 empfiehlt zwei Quellen. Eine ist das Buch Faith in the Face of Empire (2014) des lutherischen Pastors aus Bethlehem Mitri Rabeb, das das islamische Scharia-Recht als Mittel gegen israelische Besatzung empfiehlt. Da andere ist das Dokument Kairos Palestina des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK, auch „Weltkirchenrat“) aus dem Jahr 2009, das die Beseitigung des Staates Israel anstrebt.

Wer ist dann an dem antisemitischen lutherischen Beschluss interessiert? Der Schluss ist: all die, die dieser Beschluss froh macht und die Israel verschwunden sehen wollen, sei es durch die Einstaaten- oder eine Zweistaatenlösung; all die, die Millionen Dollar an die Hamas im Gazastreifen ausschütten, um die Vernichtung Israels zu ermöglichen, während die gedachten Empfänger – nämlich die Kinder im Gazastreifen – des Geldes beraubt werden; all die, die der Bildung palästinensischer Kinder in Sommerferienlagern und Schulen gegenüber die Augen verschließen, wo diese gelehrt werden Juden zu ermorden und den angeblich nicht existenten Staat Israel zu vernichten; all die, die es versäumen die gerechte und richtige Unterstützung, die viele Israelis den Palästinensern geben, zu benennen.

Lutherische Kirchen weltweit bereiten sich auf den 500. Jahrestag ihres Gründers Martin Luther vor. Martin Luthers bekannte antisemitische Hetzreden und biblischen Kommentare sind durchgearbeitet worden und stehen bei vielen lutherischen Christen in Verruf. Vor einer Generation, 1994, gab der Rat der Evangelisch-Lutherischen Kirche in den USA „in Übereinstimmung mit dem Lutherischen Weltbund“ (LWB) Luthers Antisemitismus und seinem Wunsch „in Liebe und Achtung gegenüber dem jüdischen Volk zu leben“ Ausdruck.

„In Übereinstimmung mit dem Lutherischen Weltbund beklagen wir besonders, dass moderne Antisemiten sich der Worte Luthers bedienen, um Hass gegen das heutige Judentum oder jüdische Menschen zu lehren. Wir sind tief bekümmert über die Mitschuld unserer eigenen Tradition in dieser Geschichte des Hasses, überdies aber bringen wir unseren dringenden Wunsch zum Ausdruck, unseren Glauben an Jesus Christus in Liebe und Achtung gegenüber dem jüdischen Volk zu leben.“

Damals stand der LWB unter der Führung von Präsident Gottfried Brakemeier, einem Brasilianer deutscher Herkunft und Theologieprofessor. Die Evangelical Lutheran Church in America (ELCA – Evangelisch-lutherische Kirche in den USA) wurde vom Vorsitzenden Bischof Herbert W. Chilstrom geleitet. Beide Geistliche sind weiterhin sehr respektierte Glaubensmänner, die die lutherische Kirche auf ein erkennbar christliches Gleis gesetzt haben. Jetzt scheint diese Mühe unter dem Einfluss der beiden aktuellen lutherischen Leiter – LWB-Präsident Munib Younan und die vorsitzende Bischöfin der ELCA Elizabeth A. Eaton – verlorengegangen zu sein.

Der alte lutherische antisemitische Hass gegen das jüdische Volk ist wieder zum Leben erweckt worden. Das wurde einmal mehr auf der alle drei Jahre stattfindenden Synode der ELCA in New Orleans vom 8. bis 13. August deutlich, die unter dem Titel „In Christus befreit und erneuert: 500 Jahre Gottes Gnade in Aktion“ veranstaltet wurde.

Mit der Feier solcher bejubelten Art von Freiheit und Erneuerung genehmigte die Synode die Vernichtung Israels in der Gedenkfeier zu „Frieden in Gerechtigkeit im Heiligen Land“. Es gab zwei Beschlüsse; mit dem einen soll alle US-Hilfe für Israel beendet werden und mit dem anderen Investitionen in Israel. Beide Beschlüsse hatten de facto die Absicht den Staat Israel zu vernichten. Das antiisraelische Wesen der Beschlüsse passt in die alte Schule lutherischer antisemitischer Hetzreden.

Die Beschlüsse wurden von einer Gruppe innerhalb der ECLA angeführt, die sich „Jesaja 58“ nennt. Nach ihrer Selbstbeschreibung handelt es sich um eine „Gruppe Lutheraner, die für Frieden und Gerechtigkeit im Heiligen Land“ arbeitet. Der Leiter der Gruppe heißt Jan Miller, ein Mitglied der Rocky-Mountain-Synode. Informationen zu Jan Miller führen zur Initiative „Frieden und Mauern“, in der er unter „Rocky Mountain Synod Peace and Walls Working Group“[1] und als „Reiseplaner“ für den Juni 2016 im Heiligen Land geführt wird.

Die Internetseite informiert:

„Frieden und Mauern verbindet ECLA-Mitglieder mit unseren palästinensischen lutherischen Gefährten und fördert Würde, vollen Respekt für Menschenrechte, Heilung und Versöhnung. Mit unseren Gefährten in der Evangelisch-lutherischen Kirche Jordaniens und dem Heiligen Land (ELCJHL) und dem Lutherischen Weltbund (LWB) begleiten wir zudem Palästinenser und Israelis, Juden, Christen und Muslime, die sich zusammen für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen.“

Es werden zwei Quellen für eine erfolgreiche Reise empfohlen. Eine ist das Buch Faith in the Face of Empire[2] (2014) des lutherischen Pastors aus Bethlehem Mitri Rabeb, das das islamische Scharia-Recht als Mittel gegen israelische Besatzung empfiehlt. Da andere ist das Dokument Kairos Palestina des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK, auch „Weltkirchenrat“) aus dem Jahr 2009, der die Beseitigung des Staates Israel anstrebt. Einer seiner Autoren ist der Leiter des Lutherischen Weltbundes, der auch der vorsitzende Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Jordanien und dem Heiligen Land[3] ist. Genau diese Verbindung zwischen der ELCA-Synode und der ELCJHL sowie dem LWB wollte Miller mit einer Reise im Juni 2016 festigen. Es war ein geistiger Schub für die, die erfolgreiche Lobbyarbeit für die zwei antisemitischen ELCA-Beschlüsse betrieben.

Falls die Verbindung von Jesaja 58 in der ELCA mit Bischof Munib Yanouns ELCJHL und dem LWB nicht ausreicht, gibt es noch die Zusammenarbeit des Ökumenischen Rats der Kirchen. Das ÖRK-eigene Ökumenische Forum Palästina Israel[4] hat in Zusammenarbeit mit der ELCA als Kernthema „Frieden und Mauern“, genauso wie Millers „Peace and Walls Synod Working Group“; es wird zu einer „Weltwoche des Friedens“ im September 2016 aufgerufen, deren Motto lautet: „Gott hat die trennenden Mauern niedergerissen“. Es wird eine „Woche der Interessenvertretung und Aktion zur Unterstützung eines Endes der illegalen Besatzung Palästinas und eines gerechten Friedens für alle in Palästina und Israel“ sein.

Auf der ELCA-Synode erhielt Jesaja 58 weitere Unterstützung von bekannten antiisraelischen Verbündeten wie dem Israel Palestine Mission Network of the Presbyterian Church (USA)[5], American Friends Service Committee,[6] Friends of Sabeel – North America, [7] New Orleans Palestinian Solidarity Committee,[8] Jewisch Voice for Peace[9] und U.S. Campaign to Ende the Israeli Occupation.[10]

Die Strategie war einfach: Jesaja 58 (Miller) und das Netzwerk des aktuellen Leiters des LWB (Younan) schlossen sich zur Vorbereitung der antiisraelischen Resolutionen zusammen. Die organisierte Lobbyarbeit in New Orleans produzierte dann auch die gewünschten Ergebnisse. Um sicherzustellen, dass kein Malheur passierte, sprach der ELCJHL-Pastor Khader Khalila aus Bethlehem vor der ELCA-Synode zur angeblichen israelischen Besatzung Bethlehems (das freilich seit 1993 von der palästinensischen Autonomiebehörde kontrolliert wird). Es funktionierte wie geschmiert. Es gab keine erkennbare Gruppe lutherischer Christen, die in der Lage war das eigene Gebiet gegen diese antisemitischen Usurpatoren zu verteidigen.

Ein Beschluss – die US-Hilfe für Israel einzustellen – wurde mit einer deutlichen Mehrheit von 751 zu 162 Stimmen angenommen. Er drängte die Lutheraner dazu

ihre US-Repräsentanten, Senatoren und die Administration aufzufordern Maßnahmen zu ergreifen, dass die Fortsetzung von US-Finanz- und Militärhilfen davon abhängig gemacht werden, dass Israel international anerkannte Menschenrechtsstandards einhält, wie sie im bestehenden US-Recht festgelegt sind, den Siedlungsbau und den Ausbau bestehender Siedlungen in Ostjerusalem und der Westbank einstellt, seine Besatzung palästinensischen Territoriums beendet und einen unabhängigen Palästinenserstaat ermöglicht.“

Der andere Beschluss nahm die Frage der Investitionsrücknahmen auf und wurde mit einer noch größeren Mehrheit von 821 zu 92 angenommen. Er fordert, dass die Kirche „positive Investitionen in Palästina verstärkt“ und ein auf Menschenrechten basierendes Investitionsraster für ihre sozialverantwortlichen Fonds übernehmen, um sicherzustellen, dass die Kirche nicht von Menschenrechtsverletzungen profitiert; der israelisch-palästinensische Konflikt wurde namentlich erwähnt.

Die zwei Beschlüsse haben mit der Realität nichts zu tun. Jeder einzelne stellt eine hoffnungsvolle Fantasie dar, die von Fakten wie den fortgesetzten erfolgreichen Verhandlungen zwischen Jerusalem und Washington um ein langfristiges Hilfsprogramm umgehend widerlegt wird. Diese Zugeständnisse gehen weiter, als würde die Kirchenclique der rund vier Millionen US-Bürger nicht existieren. Wie eine Kleinstadt-Lobbygruppe strebt die ELCA an alle Investitionen in Firmen zu stoppen, die von Israels „Besatzung“ profitieren und forderte vom Präsidenten der Vereinigten Staaten die Anerkennung des Staates Palästina. Aber es geschieht nichts. Wer hört zu? Wer hat Interesse? Wer profitiert von solch antisemitischer Hetzrede alter Schule, die einst von einer ehemaligen, aufgeklärten Führung ausrangiert wurde?

Eine Antwort deutet in die Richtung des aktuellen Palästinenserführers des LWB und seinen Machenschaften. Er und seine Anhängerschaft in Jerusalem sind dafür bekannt, dass sie eng mit palästinensischen Hoffnungsträgern, einschließlich der ELCA kooperieren. Anders als einige seine Vorgänger ist der aktuelle LWB-Präsident dafür bekannt die Abkehr von Antisemitismus und Antiisraelismus in Genf nicht zu untestützen. Er ist ebenfalls dafür bekannt die weithin abgelehnte antisemitische palästinensische Befreiungstheologie, einschließlich des Kairos-Palestina-Dokuments wertzuschätzen. Die Einführung des Gebets gegen die Besatzung (d.h. Israel) an jedem 24. Tag des Monats kam ebenfalls unter der Führung desselben Bischofs auf. Während die deutschen lutherischen Kirchen praktisch keine Notiz von dieser Aktion nahmen, ist die ELCA eine der treuesten Anhänger dieses antisemitischen Drangs an jedem 24. Tag eines jeden Monats, einschließlich des Dezember gegen Israel zu beten!

Vor einer Generation, 1994, verurteilte die Führung der Lutherischen Kirche in den USA den Antisemitismus von Kirchengründer Martin Luther (links) und gab ihrem Wunsch nach „Liebe und Respekt“ für das jüdische Volk Ausdruck. Der heutige Präsident des Lutherischen Weltbundes, Bischof Munib Younan (rechts) ist dafür bekannt die Abkehr von Antisemitismus und Antiisraelismus nicht zu unterstützen.

Wer ist dann dem antisemitischen lutherischen Beschluss interessiert? Der Schluss ist: all die, die dieser Beschluss froh macht und die Israel verschwunden sehen wollen, sei es durch eine Einstaaten- oder eine Zweistaatenlösung; all die, die Millionen Dollar an die Hamas im Gazastreifen ausschütten, um die Vernichtung Israels zu ermöglichen, während die gedachten Empfänger – nämlich die Kinder im Gazastreifen – des Geldes beraubt werden; all die, die der Bildung palästinensischer Kinder in Sommerferienlagern und Schulen gegenüber die Augen verschließen, wo diese gelehrt werden Juden zu ermorden und den angeblich nicht existenten Staat Israel zu vernichten; all die, die es versäumen die gerechte und richtige Unterstützung, die viele Israelis den Palästinensern geben, zu benennen.

Selbst wenn die demokratisch gewählten politischen Strukturen den Randgruppen wie der ELCA-Synode nicht viel Aufmerksamkeit schenken, können solche Beschlüsse eine Eigendynamik entwickeln. Antiisraelische NGOs können gestärkt werden und die Unentschiedenen können ermutigt werden auf den Zug aufzuspringen. Schon einmal haben Lutheraner Einfluss darauf genommen die Waage gegen die Juden zu kippen, wie die ELCA-Deklaration von 1994 es voller Reue sagte:

„Lutheraner, die dem Lutherischen Weltbund angehören, und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Amerika fühlen sich in dieser Hinsicht besonders belastet wegen bestimmter Elemente im Vermächtnis des Reformators Martin Luther und der Katastrophen – einschließlich des Holocausts des zwanzigsten Jahrhunderts – die Juden und Jüdinnen erlitten haben an Orten, an denen die Lutherische Kirche stark vertreten war.“

Politiker mögen es sich leisten können althergebrachte und überholte Beschlüsse zu Israel zu ignorieren und mit Business as usual weiterzumachen, aber die gute Führung des Lutherischen Kirchen weltweit sollte das nicht tun. Es gibt hier die Beispiele inspirierender lutherischer Leiter wie Bischof Brakemeier und Bischof Chilstrom. Haben sie in der lutherischen Kirche noch Anhänger? Gibt es Empörung lutherischer Kirchenleiter in Europa und lutherischer Laien wegen des von der Jesaja 58-Gruppe und ihren (vielen synodalen) Anhängern dargebotenen Antisemitismus? Gibt es dort irgendjemanden, der die ELCA-Leiter zur Rede stellt, die, um die antiisraelische Manipulation auszudehnen, die US-Regierung aufrief den Antrag des Staats Palästina auf volle Mitgliedschaft in der UNO nicht zu verhindern und in Zusammenarbeit mit dem UNO-Sicherheitsrat

den Regierungen von Israel und Palästina eine neue, umfassende und zeitgebundene Vereinbarung anzubieten, die in einer verhandelten Endstatus-Vereinbarung zwischen Israel und Palästina resultiert, die zu zwei lebensfähigen und sicheren Staaten mit einem gemeinschaftlich genutzten Jerusalem führt.“

All dies ist auf den Fluren der UNO bekannter arabisch-muslimischer Jargon. Aber ist es heute nicht bescheiden und gerecht eine Rückkehr zu anständiger Kirchensprache zu fordern, mit der die Kirche als Ort göttlicher Anbetung und „Handeln der Gnade Gottes“ genutzt wird, was übrigens in christlichem Denken Israel einschließt?

Das wäre der Weg Luthers alten Antisemitismus wieder einzuschläfern.

[1] Arbeitsgruppe Frieden und Mauern der Rocky Mountain-Synode

[2] auf Deutsch erschienen als: „Glaube unter imperialer Macht“

[3] Evangelical Lutheran Church of Jordan and the Holy Land (ELCJHL)

[4] Palestine Israel Ecumenical Forum (PIEF)

[5] Missionsnetzwerk Israel Palästina der presbyteriansichen Kirche (USA)

[6] Servicekomitee Amerikanische Freunde

[7] Freunde von Sabeel

[8] Komitee palästinensische Solidarität New Orleans

[9] Jüdische Stimme für den Frieden

[10] US-Kampagne zur Beendigung der israelischen Besatzung