„Mamma mia“: Flaggenstreit zwischen Schweden und der PLO

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STOCKHOLM / RAMALLAH (inn) – Beim Eurovision Song Contest in Stockholm sollen palästinensische Flaggen nicht zugelassen werden. Die Palästinenser protestieren. Der Veranstalter spricht mittlerweile von einem Irrtum.

„Mamma mia“, titelte die israelische Zeitung „Jerusalem Post“ über einem Bericht zu der jüngsten palästinensischen Aufregung. PLO-Generalsekretär Saeb Erekat schrieb von einer „Diskriminierung und schweren Attacke gegen unsere Nation“.

Den Affront hatten sich die Veranstalter des Eurovision Song Contest in Stockholm geleistet. Sie veröffentlichten eine Liste von Flaggen aus umstrittenen Territorien, die im Saal des Gesangswettbewerbs nicht geschwenkt werden dürfen: Flaggen von Nordzypern, Berg-Karabach, dem Baskenland und Palästina. Es dürften nur Flaggen von UNO-Mitgliedern gezeigt werden. Die Regenbogenfahne der Lesben- und Schwulenbewegung werde „toleriert“, solange sie nicht für politische Zwecke missbraucht werde. Verboten seien Banner mit nicht-englischer Aufschrift und Flaggen mit kommerzieller Reklame. Ein ausdrückliches „Verbot“ galt der Flagge vom IS, der möglicherweise einen Terroranschlag auf den Songcontest plant. Die Fans wurden aufgefordert, den unpolitischen Charakter des Gesangswettbewerbs zu respektieren.

Erekat kritisiert „beschämenden Beschluss“

Das Verbot, die palästinensische Flagge zu zeigen, löste Unmut in Ramallah aus, wie die palästinensische Nachrichtenagentur „Ma‘an“ berichtet. Deswegen griff sogleich Erekat zur Feder, „indigniert und empört“, um den Schweden die Leviten zu lesen. Schließlich sei doch Palästina ein Land, das von 138 Ländern der Welt schon anerkannt worden sei (obgleich der Staat Palästina de facto vor Ort noch gar nicht existiert). Palästina habe bei der UNO einen Beobachterstatus. Deswegen gehe es nicht an, dass die schwedischen Veranstalter des internationalen Gesangswettbewerbs ausdrücklich die palästinensische Flagge diskriminieren. „Ihr Beschluss ist total einseitig und nicht akzeptabel. Wir erwarten von Ihnen, sofort diesen beschämenden Beschluss zurück zu nehmen“, schrieb Erekat und forderte eine „Entschuldigung“ speziell an die Palästinenser und die „Millionen Palästinenser rund um den Erdball“.

Erekat fügte hinzu, dass die palästinensische Flagge dank diplomatischer Vertretungen in allen europäischen Ländern gehisst worden sei, darunter in der Schweiz, dem Sitz der „European Broadcasting Union“ (EBU). Schweden, wo der Wettbewerb in diesem Jahr ausgetragen wird, habe „Palästina“ als erstes europäisches Land anerkannt, hält Erekat den Veranstaltern vor. Während noch nie ein Palästinenser an dem Wettbewerb teilgenommen hat, war Israel seit 1973 38 Mal dabei. Israel ist kein europäisches Land, gleichwohl aber Mitglied bei der EBU. Tatsächlich hat Israel nicht nur teilgenommen, sondern mehrfach gesiegt und die „Eurovision“ einmal in Jerusalem austragen dürfen.

EBU: „Irrtümliche Veröffentlichung“

Neben den Palästinensern haben auch die Spanier Krach geschlagen. Sie protestierten gegen das „Verbot“, die Flagge des Baskenlandes zu schwenken.

Rumänien wurde derweil von dem diesjährigen Song Contest ausgeschlossen. Der Grund sind ausstehende Schulden in Höhe von 16 Millionen Euro.

Wohl eingeschüchtert durch die Proteste aus dem Nahen Osten und aus Spanien hat EBU-Präsident Jean-Paul Philippot inzwischen auf den Brief von Erekat reagiert. Das Verbot der Flaggen sei auf der Webseite der EBU am Freitag „irrtümlich“ veröffentlicht worden, behauptete ein Sprecher. Auf Facebook veröffentlichte der EBU eine allgemein gehaltene Entschuldigung.

Wie das Internetportal „Middle East Eye“ berichtet, sei nach Angaben eines Sprechers der “muskalischen Extravaganza” das Papier mit der „Flaggenpolitik“ gar nicht zur Veröffentlichung bestimmt gewesen. Es sei „nicht gegen spezifische Territorien oder Organisationen gerichtet gewesen, und habe sie auch nicht miteinander vergleichen wollen“.

Auf der offiziellen Webseite des ESC veröffentlichten die Organisatoren mittlerweile eineErklärung dazu, welche Flaggen geschwenkt werden dürfen und welche nicht. Demnach ist die palästinensische Flagge weiterhin verboten, obwohl sie nicht explizit genannt wird.

Israel lässt sich in diesem Jahr durch den Sänger Hovi Star vertreten. Dem wurde kürzlich bei der versuchten Einreise nach Russland von den Grenzbeamten der Pass zerrissen, weil er sich offen dazu bekannte, schwul zu sein. Ein weiterer Israeli, Amir Haddad, wird in Stockholm auftreten, aber Frankreich vertreten.

Aus dem Amt des israelischen Premierministers liegt noch keine offizielle Stellungnahme zu dem schwedisch-palästinensischen Flaggenstreit vor. (uws)