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Referatsleiter im NRW Wirtschaftsministerium nennt Freunde Israels 5. Kolonne

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Die Meinung hört man oft: Israel ist ein Kolonialstaat, der die Palästinenser unterdrückt und keinen Frieden will. Ungewöhnlich war, wer so offen seine Ressentiments gegen Israel auslebte: Eine hoher Mitarbeite des Wirtschaftsministeriums in Nordrhein-Westfalen mit SPD Parteibuch.

Stefan Grönebaum gehört zu den Menschen, bei denen es fraglich ist, ob sie ohne Parteibuch die Karriere gemacht hätten, die sie mit Parteibuch gemacht haben. Grönebaum war Chefredakteur der Demokratischen Gemeinde, dem Magazin für SPD-Kommunalpolitiker, er war Büroleiter des Fraktionsvorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt und Pressesprecher des Wirtschaftsministeriums NRW – zur Zeit arbeitet er als Referatsleiter im Wirtschaftsministerium in Düsseldorf: Referat II.3, Grundsatzfragen der Arbeits- und Sozialpolitik, Demografie, Integration. Eine Aufgabe, die ihn offenbar nicht auslastet, denn Grönebaum hat eine Leidenschaft, die er mit vielen Deutschen teilt: Israel. Gestern ging Grönebaum einen Juso aus Berlin an, der sich selbst als Zionist bezeichnet – was jemanden, der in irgendeinem Büro in Düsseldorf sitzt eigentlich ziemlich egal sein kann:

Lieber Sercan, darf ich fragen, wieso Du Dich als Zionist bezeichnest? Zionisten hingen und hängen einer kolonialistischen Doktrin an, d.h. sie meinen, das Land anderer gehöre Ihnen. Das gibt es eigentlich nicht mehr auf unserer Welt und es ist zu Recht international geächtet. Heute besetzen Zionisten gegen erklärtes Völkerrecht seit 50 Jahren die besetzten Gebiete in Palästina – und drangsalieren die ansässige Bevölkerung, während die sog. Siedler, bevorzugt und geschützt werden. Schon die frühen Zionisten störten sich nicht daran, das Palästina nicht „leer“ war, wie Herzl gedacht haben soll. Sie erklärten später, die Araber machten eben nichts aus dem Land und heute sagen sie, man müsse sich doch schützen. Aber alles, was Israel in den besetzen Gebieten tut, ist per Völkerrecht und gesundem Menschenverstand illegal. Sie haben da nichts zu suchen, zu tun, zu bewachen und verteidigen. Statt dessen haben sie die arabische Bevölkerung lange vor der Ausrufung des Staats in systematischen Massakern (Deir Jassin war mehrere Wochen vor der Ausrufung) verjagt, und haben gleich nach dem 6-Tage-Kieg mit der illegalen Be-Siedelung angefangen (alles nachlesbar in den dokumentengespickten Büchern der jüngeren israelischen Historiker, die deshalb zuhause wie Parias und Verräter behandelt werden). Wenn man gegen rechts, Rassismus, Antisemitismus – Araber sind übrigens auch Semiten – ist, kann man nicht Zionist sein, weil das beinhaltet, sich gegenüber den „Natives“ entweder auf eine ignorante oder überlegene Stufe zu stellen. Über die Techniken, wie man z.B. aus Jerusalem eine jüdische Stadt macht, informiert: „Getrennt und ungleich“ von Amir Cheshin und Avi Melamed oder Margalith, Discrimination in the heart of the Holy City, zu zionistischen Anfängen Simcha Flapan: Die Geburt Israels: Mythos und Wirklichkeit, zur Gründungszeit Ilan Pappe, Die ethnische Säuberung Palästinas, zum Sechtagekrieg immer noch 1967 von Tom Segev, allesamt Israelis, die aber von den Zionisten verfemt werden, weil sie den Mythos des friedliebenden demokratischen Davids gegen die aggressiven, bösen Araber mit Fakten zerpflückt haben. Leider ging der Zionismus von der Arbeitspartei auf die National-Religiösen über und hält heute 80% der Israelis im Griff, es ist ja schwer, das eigene Land als Besatzer zu sehen.. Aber warum siehst Du das nicht?

Sercan bekam davon nichts mit, weil er auf dem CSD in Berlin einen guten Tag hatte und trotz des Regens viel feierte. Allerdings schalteten sich zahlreiche Freunde Sercans in die Diskussion ein, die eigentlich sehr gesittet ablief – sehr viele von ihnen waren selbst Jusos oder SPD-Mitglieder und stellten sich gegen Grönebaum:

Einer klärte ihn über die historischen Hintergründe auf:

Basti Levine: Wenn Sie betonen, Deir Jassin war vor der israelischen Staatsgründung, soll das natürlich suggerieren, dass die Juden der Aggressor waren, die die Araber vertrieben. Das ist natürlich falsch, und das ist sicher keine Bildungslücke Ihrerseits, sondern Teil Ihrer Hetze gegen Israel.
Ja, Deir Jassin war vor der Staatsgründung, aber NACH der Kriegserklärung und dem Angriff durch die arabischen Staaten auf den nach UN-Teilungsplan zu entstehenden Staat Israel. Aber solche Details, wer Frieden wollte und wer den Krieg begonnen hat, mit sowas geben Sie sich natürlich nicht ab. Man könnte jetzt Ihr Posting Schritt für Schritt der Lüge, der Verfälschung und Unredlichkeit überführen, aber sinnig erscheint mir das nicht bei einem solch böswilligen Text.

Viele beteiligten sich ruhig und fachkundig an der Debatte. Dann kam es zu folgendem Ausfall Grönebaums:

Tanya Aliza: Als deutsch-israelische Sozialdemokratin moechte ich an dieser Stelle an die vielen, mir unbekannten Freunde Israels in diesem Thread einen herzlichen Dank aussprechen – ich bin jeden Tag froh um Euch, die (auch wenn viele nicht unmittelbar vom isr.-pal. Konflikt betroffen sind) fuer das Land Israel einstehen und solch antiisraelischer „Argumentation“ sachlich entgegenstehen. Vielen Dank fuer Euren Einsatz, ich (und viele andere Israelis) schaetzen das sehr!

Stefan Grönebaum: Hier wird deutlich, worum es geht: Hier agiert eine wohl organisierte, gut vernetzte „fünfte Kolonne“ im Interesse der israelischen Politik und fühlt sich in deutschlöand offenbar so geschützt, dass sie mit Antisemitismusvorwürfen und Beleidigungen nur so um sich wirft, anstatt auf eine einziges Argument einzugehen oder sich mit denen der israelischen Histroiker zu befassen, die die verlogenen nationalen Mythen des eigenen Landes gründlich auseinandergenommen haben. Eine völlig von der Realität abgeschottete Truppe, die sich in ihrer Filterblase gegenseitig bestätigt. Erschreckend.

Für Grönebaums sind die Freunde Israels, die Menschen, die in Deutschland mit Israel solidarisch sind, eine 5. Kolonne? Der Begriff alleine ist in diesem Zusammenhang entlarvend:

Wikipedia: „Der Begriff Fünfte Kolonne wurde 1936 im Spanischen Bürgerkrieg geprägt, als er Anhänger der Aufständischen bezeichnete, die nach dem Putsch in den von der Regierung kontrollierten Gebieten verblieben waren, um dort bei Bedarf in Aktion zu treten. Der spanische General Emilio Mola, einer der militärischen Führer des Militärputsches gegen die Republik, hatte verkündet, er werde vier Kolonnen gegen Madrid führen; die Offensive einleiten werde jedoch „die fünfte Kolonne“, nämlich jene Schar in Madrid lauernder Anhänger Francos.“

Grönebaum rückt die Freunde Israels in die Nähe von Faschisten: Für ihn sind sie offenbar Agenten die hinter den (deutschen) Linien im Auftrag einer feindlichen Macht handeln: Und die scheint für ihn Israel zu sein. Für einen hohen Verwaltungsmitarbeiter des Wirtschaftsministeriums eher zweifelhafte Ansichten.

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